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Samuel Thoma

Phänomenologische Philosophie als Kritik der psychiatrischen Vernunft - eine deutsch-französische Tradition

Die Phänomenologie ist eine der wichtigsten Geistesströmungen des letzten Jahrhunderts. Neben ihrer Entstehung in Deutschland erhielt sie besonders in Frankreich wichtige Impulse. Doch die Phänomenologie hat nicht nur eine Tradition in der Philosophie, sondern auch in der Psychiatrie, die bis in die 60er Jahre wichtigen Einfluss auf das Geistesleben nahm. Die Verbindung von Phänomenologie und Psychiatrie ist kein Zufall: Die Phänomenologie behauptet, dass die Welt, in der wir leben, stets relativ zum Betrachter ist. Hiernach kann gefragt werden, in welcher Realität sogenannte „Verrückte“ leben, ohne dieser Erfahrung gleich ihre Gültigkeit abzusprechen oder sie durch psychiatrische Fachbegriffe zu pathologisieren. Das Projekt der „Phänomenologischen Psychiatrie“ ist somit die Erforschung von „Wahnwelten“, ihrer Entstehung und ihrem Sinn. Dabei wird mitunter deutlich: „Der Wahnsinn ist eine Möglichkeit des Menschen, ohne die er nicht wäre, was er ist.“ (Henri Maldiney) Dies soll anhand von Fallbeispielen erläutert werden. Abschließend wird angedeutet, wie dieser Verständnis-Versuch wichtige Anstöße zu emanzipatorischen Entwicklungen in der Psychiatrie des letzten Jahrhunderts gab.