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Jean-François Kervégan

Was macht die Gesellschaft aus?

Seit der anfangenden Moderne hat sich die Idee davon, was die Gesellschaft konstituiert, tief umgewandelt. Die Vorstellung des Bandes, der die Individuen in eine Gesellschaft bindet, notwendig politischer Natur ist (eine Vorstellung, die übrigens schon in der Antike herrschte), ist durch die Idee ersetzt worden, dass vielmehr die ‚sozialen‘, in erster Reihe die wirtschaftlichen Aktivitäten einen umso starken Band unter die Individuen bilden, dass er wie die ‚unsichtbare Hand‘ von Adam Smith nicht notwendig wahrgenommen wird, und keine Übereinstimmung über das Gemeinwohl voraussetzt: die „Leidenschaften“ und die „Interessen“ verflechten sich auf einer komplexen Weise und binden uns zusammen, sowie sie uns entgegenstellen. Nunmehr bildet die ‚bürgerliche Gesellschaft‘ (Hegel, Marx) eher als der Staat den Boden, worauf sich der soziale Band baut. Diese Tatsache bringt wichtige Folgen mit sich, die die gegenwärtige politische Philosophie versucht hat, zu ziehen, indem sie den Staat (übrigens auf sehr verschiedenen Weisen) entthront, und auf die ‚substantiellen‘ Vorstellungen des Gemeinwohls zugunsten einer prozeduralen Behandlung des nicht mehr als etwas Vorläufiges verstandenen Dissenses verzichtet.