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Franck Fischbach

Ich, das Wir, und Wir, das Ich ist: Welche Aktualität für den hegelschen Geist

Die Aufgabe der Sozialphilosophie ist, die Natur der Menschen näher zu bestimmen, insofern sie diejenige Seienden sind, die nicht einfach “wir“ oder „ich“ sondern zugleich immer „wir“ und „ich“ sagen. Das zu verstehen und zu erläutern war schon die Aufgabe Hegels, als er in der Phänomenologie des Geistes schrieb, dass der Geist so zu begreifen sei, als „Ich, das Wir und Wir, das Ich ist“. Der französische Philosoph Vincent Descombes hat’s so erneut formuliert, indem er sagt, dass das was Hegel den „objektiven Geist“ nannte, „das Vorhandensein des Sozialen in dem Geist jedes Einzelnen ist“. So wird ein wesentliches Kennzeichnen des Sozialen ausgedrückt, nämlich, dass das Soziale im Individuum als Individuum vorhanden ist, und umgekehrt dass das Individuum im Sozialen vorhanden ist, ohne dass es aufzuhören sollte, als Individuum zu gelten. Die Frage ist zu wissen, wie so etwas möglich ist. Genügt es zu sagen, dass die einzelnen „ich“-sagenden Individuen auch „wir“ sagen können, weil sie miteinander Vorstellungen und Bedeutungen teilen? Braucht man nicht etwas mehr als einfache geteilte Vorstellungen, etwa gemeinsame Vorstellungen, um „wir“ sagen zu können? Wie gelangt man aber zu gemeinsamen Vorstellungen? Wenn die Entstehung von gemeinsamen Vorstellungen und Bedeutungen als Resultat einer Vereinbarung zwischen Individuen verstanden wird, dann ist das Wir als ein den Individuen äußerliches Produkt gedacht, so dass der Gegensatz zwischen Ich und Wir überhaupt nicht überwunden ist. Der Satz Hegels über das Ich, das Wir und das Wir, das Ich ist, bleibt also rätselhaft, solang wenigstens das Wir als Vereinbarung und Übereinstimmung gedacht wird. Bekannt ist die Lösung durch die Institution: die Einheit des Ich und des Wir, des Ich im Wir und des Wir im Ich wäre das als Institution verstandene Soziale. Diese Lösung werden wir hier diskutieren.