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Fabrice de Salies

So nahe, so fern - ich selbst

Sich selbst zu bestimmen, erscheint als eine notwendige Forderung: Tagtäglich, beruflich, gesellschaftlich und gerichtlich muss jeder sich selbst behaupten, um identifizierbar, erkennbar und verantwortlich zu werden. Nun aber scheint eine solche Forderung vor einem unüberwindbaren Paradoxon zu stehen: Sogar wenn nichts mir näher ist, als ich selbst, erweist es sich doch, dass was ich bin durch meine Finger gleitet, sobald ich versuche, mich selbst zu erfassen. Zwischen Unmittelbarkeit und Illusion des Selbst haben die Philosophen durch die unterschiedlichsten Herangehensweisen probiert, diese Schwierigkeit zu lösen. Anstatt eine weitere unbefriedigende Auflösung dieses Widerspruch anzubieten, wollen wir einen anderen Weg nehmen: Es geht uns nämlich darum, ein solches Paradoxon zu vertiefen und die Auffassung zu vertreten, dass das „ich“ gleichzeitig sowohl unfassbar als immer präsent ist, bzw. dass dieses Paradoxon für das Selbst konstitutiv ist.