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Catherine Colliot-Thélène

Eigentum und Gemeinschaft

Die extreme Armut großer Teile der Bevölkerungen der Welt, die extreme Zunahme der Ungleichheiten von Vermögen und Einkommen, die wir weltweit seit mehreren Jahrzehnten beobachten, die Erosion der Garantien des Sozialstaats in den europäischen Ländern, alle diese Phänomene erfordern von der politischen Philosophie, die Frage nach der Gerechtigkeit neu zu formulieren. Das Privateigentum als Korrelat der individuellen Freiheit wird heute nur noch selten prinzipiell bestritten. Um seine sozial-zerstörerischen Konsequenzen zu begrenzen, wird aber in der Regel auf ein anderes Prinzip verwiesen, das der notwendigen Solidarität zwischen den Mitgliedern einer geeinten Gemeinschaft. Ein Rückblick auf die Begründungen des Privateigentums durch die Philosophen des 18. und 19. Jahrhunderts führt dazu, die vermeintliche Spannung zwischen liberalem Individualismus und kollektiver Solidarität in Frage zu stellen. Enteignung und Ausgrenzung sind von einem normativ begründeten Liberalismus unmöglich zu rechtfertigen. Ein solcher Liberalismus erlaubt jedoch im Gegenteil, soziale Garantien dem Register der Hilfe für die Mittellosen zu entziehen, um sie im Gegenteil als echte Freiheitsrechte zu verstehen.