header_paltzhalter

Emanuele Coccia

Das Gute in den Dingen

Werbung ist keine reine Erfindung der Moderne: sie ist die zeitgenössische Form des epigraphischen Diskurses, d. h. der monumentalen Literatur und Ikonographie, die die öffentliche Sittlichkeit in der antiken Stadt am direktesten und am klarsten zeigte. Das Objekt dieses modernen ungeheuren Diskurses en plein air hat sich aber verändert: wo in der Antike Götter standen, stehen heute Gebrauchsobjekte. Diese Objekte sind Symbole des Guten, des öffentlichen Guten. Werbung ist also nicht (oder nicht nur) als eine sekundäre, unwichtige und parasitäre Offenbarung des kapitalistischen Geistes, sondern ein Diskurs, der eine neue unbekannte Form von Sittlichkeit verkörpert, die das Gute als Objekt, als eine nur in den Dingen existierende Dimension denkt und setzt.