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Emmanuel Alloa

Kritik der Transparenzgesellschaft

Von allen Idealen, die wir von der Aufklärung geerbt haben, ist Transparenz möglicherweise das einzige, das nicht grundsätzlich im 20. Jahrhundert in Frage gestellt worden ist. Ganz im Gegenteil: während sich im Falle anderer utopischer Versprechen zeigte, wie leicht diese von totalitären Gesellschaftsentwürfen vereinnahmt werden können, hat Transparenz das Jahrhundert sozusagen unberührt überstanden und gilt heute als regulatives Ideal einer Zeit, die sich als post-ideologische begreift. Spätestens seit Wikileaks und Whistleblower Edward Snowden ist klar: Noch nie war eine Forderung so konsensfähig wie die Forderung nach „mehr Transparenz“, noch nie wurde so sehr auf ein „Transparenz-Gebot“ gepocht. Inwiefern die Forderung nach rückhaltloser Transparenz jedoch unter Umständen weniger ein Instrument von Kritik darstellt als die grundsätzliche Unterbindung ihrer Möglichkeit – das ist die Frage, um die es in dem Vortrag gehen wird.