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Performances

Eine kurze Geschichte des Entweder-Oder

Poesie-Performance von und mit Cia Rinne – 20 min.

Eine kurze Geschichte des Entweder-Oder skizziert die dualistischen Seinsdeutungen der abendländischen Philosophie nach Hans Jonas. Laut Jonas ist es vor allem dieser Dualismus, der im Laufe seiner Geschichte die Entitäten aufspaltete in Welt und Seele, Mensch und Natur, Körper und Geist, sowie das Aufeinandertreffen von Athen und Jerusalem, d.h. das Zusammenwirken von Philosophie und jüdisch-christlicher Religion, die Voraussetzungen schufen für den ökologisch katastrophalen Zustand der Erde.

Cia Rinne


Honigprotokolle

Lesung von und mit Monika Rinck – 30 min.

Honigprotokolle sind beinahe quadratisch und ineinander verfugt wie Kacheln. Sie bilden ein Raster, das ihre Ordnung offenbart und wenden sich an Konzepte, die sie nicht ohne weiteres abstreifen können. Die Arbeitsteilung erfolgt via Reizschwellen, die eine Folge der Vielfachpaarung sind. So wird eine hohe Bandbreite von Empfindlichkeiten garantiert. Doch es ist wie beim Bienentanz: Am Ende wird nur noch für die beste Höhle getanzt.

Monika Rinck


Die Kunstwelt löst sich auf. Es gibt nur mehr intellektuelle Diskussionen in Swimmingpools. Mit Larry Scrives in der Wüste.

Performance von Barbara Breitenfellner – die ganze Nacht.

Barbara Breitenfellner


P...is not dead

Soundtrack der Nacht der Philosophie – 12 h.

Eine Auftragskomposition des Londoner DJ-Kollektivs Luminous Frenzy Sound System in Zusammenarbeit mit dem Kunstkritiker Thibaut de Ruyter und dem Maler Damien Cadio. 12 Stunden Musik und Beats, live gemischt mit Themen und Texten zum Tractatus Logico-Philosophicus von Wittgenstein.

Luminous Frenzy Sound System

Thibaut de Ruyter


Wir mussen reden. Ein Streitgespräch zwischen Mensch und Tier.

Puppen-Performance von und mit Daniel Tyradellis und Julia Giesbert – 25 min.

Tiere sind fester Bestandteil der philosophischen Argumentation - in der Sozialphilosophie, der frühen Sprachphilosophie und heute in der Ethik. Im Rahmen einer Performance der Puppenspielerin Julia Giesbert und des Philosophen Daniel Tyradellis platzt nun endlich einem Tier der Kragen und es spricht Klartext: über Moral, Bissigkeit und die Utopie des Tier-Werdens.

Julia Giesbert

Daniel Tyradellis


The Talking Apparatus and the Bookshelf

Performance von und mit Laura Gozlan – Englisch – 20 min.

Ein fiktives Gespräch zwischen dem britischen Kosmologen Stephen Hawking und dem amerikanischen Science-Fiction-Autor Philip K. Dick. Die beiden Männer sind sich nie begegnet, haben sich nie gesprochen, doch vielleicht haben sie gegenseitig von ihrer Arbeit Kenntnis genommen. Ein veralteter Computer mit der Stimme von Stephen Hawking befragt Philip K. Dick über das Wesen des Universums. Der Autor antwortet in Gestalt eines Performers.

Laura Gozlan


Faire le Gilles

Performance von und mit Robert Cantarella, Französich. Vorlesung vom 17. März 1981, Universität Vincennes – 90 min.

„Zuerst habe ich Gilles Deleuze zugehört. Dann wollte ich ihn durch meinen Körper leiten und die physischen Auswirkungen einer Tonüberspielung erfahren. Gilles Deleuze entfaltet seinen Vortrag im Dialog mit den Studenten. Takt, Tempo und Schlagzahl der sich über die Stimme entfaltenden Ideen sind hörbar und spürbar. Ich kopiere keine Verhaltensweisen. Ich habe diese Vorlesungen nicht besucht, habe zuerst die Texte und dann die Stimme von Deleuze entdeckt. Die Stimme hat mir oft das Verständnis erleichtert, mich eine Idee spüren lassen und auf den Weg ihrer Entfaltung geführt. Durch das Spiel mit seiner Stimme gebe ich den Gilles ganz und gar. Ich habe an die Malerei gedacht, wo das Kopieren gängige Praxis ist, und so das Klangkopieren initiiert.” Robert Cantarella

Robert Cantarella


Eine kleine Nacht Fieber - The Philosophy of Disco

Vortrag-Musik-Performance von und mit Craig Schuftan - Englisch – 50 min.

In Intellektuellenkreisen sind ernsthafte Diskussionen über Disco-Musik eher selten. Und in der Diskothek ist es in der Regel zu laut, um über Sätze wie boogie-oogie-oogie til you just can’t boogie no more zu sinnieren. Doch Fragen dieser Art sind richtig und wichtig. Ist das Tanzen, wie es uns die Bee Gees ans Herz legen, wirklich das, was wir heute bei all unseren Problemen brauchen? Während die einen die Disco-Kultur als ein harmloses Flüchten in eine andere Welt beschreiben, sehen andere, nicht zuletzt Theodor W. Adorno und Michael Jackson, darin den eigentlichen Ursprung unserer Probleme.

Craig Schuftan


Das Tiefgründigste im Menschen ist die Haut

Performance von und mit Robert Hatisi.

Und wenn die Haut wieder zum Symbol der Gedanken werden würde? Wie kann das Denken die Haut prägen, ohne Gegenstand eines Rituals zu werden? Welche Rolle spielen Rituale und Symbole heute? Lassen sich philosophische Gedanken auf die Haut tätowieren? Fragen, denen der Schauspieler und Performance-Künstler Robert Hatisi mit seinem Tattoo-Set auf den Grund geht.

Robert Hatisi


Improvisations

Performance am Klavier von und mit Karol Beffa.

Ebenso originell wie paradox: Die Improvisation lebt nur im Moment ihrer Entstehung. Sie ist das Ergebnis spontanen Einfallsreichtums und zugleich Gegenstand eines Konzeptes, das im Dialog mit dem Publikum entsteht. Das Publikum wirft philosophische Begriffe in den Raum - Nichts, Unendlichkeit, Leidenschaft, Freude -, auf die der Pianist unmittelbar reagiert. Und genau aus dieser Unmittelbarkeit erwächst die Inspiration, entstehen einzigartige Konzepte. .

Karol Beffa


Spinoza in Kiev

Lese-Performance von Mériam Korichi nach dem Roman Der Fixer von Bernard Malamud mit Robert Hatisi, Sophie-Aude Picon und Karol Beffa (Klavier) – 40 min.

Die Performance Spinoza in Kiev bedient sich des Melodrams, um all die Emotionen zum Leben zu erwecken, die eine szenisch interpretierte Erzählung hervorrufen kann. Kiew 1911. Der Jude Jakow Bok verlässt sein Schtetl, um im nahegelegenen Kiew sein Glück zu versuchen. Er findet Arbeit, doch schon bald wird er zu Unrecht des Ritualmords an einem 12-Jährigen verurteilt und landet im Gefängnis. In seinen persönlichen Sachen findet sich ein Buch von Spinoza, was den Untersuchungsrichter Bibikow stutzig macht.

Mériam Korichi

Karol Beffa

Robert Hatisi

Sophie-Aude Picon


Le voyage d'hiver

Lese-Performance von und mit Fanny de Chaillé – Französisch – 20 min.

Ausgangspunkt: die zufällige Entdeckung eines eher unbekannten Textes von George Perec und die ungewöhnliche Idee, den Text mit Synonymen neu zu schreiben und dabei seine Bedeutung zu wahren. Schnell entwickelte sich daraus eine Performance: Die Synonym-Version des Textes wird laut gelesen, während gleichzeitig und präzise darauf abgestimmt der Originaltext von Perec auf einem Bildschirm wie ein Abspann mitläuft. Die Bedeutung des Textes wird abgewandelt oder bereichert, sowohl durch die Neufassung als auch durch die verschiedenen Quellen. Während eine Stimme eine Version des Textes liest, erscheint auf einem Bildschirm eine andere Version, die nahezu dasselbe ausdrückt. Und plötzlich rutscht die gesprochene Version ins Sinnlose ab, die semantische Logik wird nicht mehr eingehalten und es kommt zu einem verrückten Wettlauf zwischen dem gelesenen und dem zu sehenden Text.

Fanny de Chaillé